| Klavier | Blechblasinstrumente | |
| Akkordeon | Holzblasinstrumente | |
| Melodicas | Schlagzeug und Perkussionsinstrumente | |
| Keyboard | Streichinstrumente | |
| Orgel | Zupfinstrumente | |
| Bezugsquellen |
Klavier und E-Piano: Beim Klavierspielen führen beide Hände die gleiche Bewegungsart aus – den Anschlag der Tasten mit allen zehn Fingern. Die Aufgaben sind, je nach Schwierigkeitsgrad der Musikstücke, für beide Hände höchst anspruchsvoll, jedoch letztlich nicht ganz gleich. Die rechte Hand erfüllt in der Regel die melodische Führungsrolle in der höheren Lage. Von ihr wird mehr Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Ausdauer verlangt als von der linken Hand, auch bei der Umsetzung des emotionalen Ausdrucks ist sie mehr gefordert.
Das Klavier ist in seiner herkömmlichen Bauweise also ein Rechtshänderinstrument und erfordert von Linkshänder*innen eine Anpassungsleistung. Linkshänder*innen äußern, dass sie das Spielen auf dem herkömmlichen Klavier für sich als „falsch“ empfinden. Vor allem bedürfe es immer einer besonderen, zusätzlichen Anstrengung, um den emotionalen Ausdruck beim Musizieren auszubalancieren. (Vgl. Arnoldussen, Händigkeit und Instrument, S. 157f.)
Konsequenterweise muss also das Klavier für Linkshänder*innen umgedreht werden, also die hohen Töne auf der linken, die tiefen Töne auf der rechten Seite angeordnet sein. Pioniere auf dem Linkshänderklavier sind der britische Pianist und Lehrer Christopher Seed und der Trierer Pianist und Pädagoge Geza Loso. Seed ließ sich einen Hammerflügel, ein Instrument von 1826, spiegelbildlich nachbauen. Loso beauftragte die Firma Blüthner in Leipzig mit dem Bau des ersten Linkshänderkonzertflügels. Letzterer hat auch Literatur für linkshändiges Spiel, also eine gespiegelte Notation, erarbeitet. Beide Musiker berichten, dass sie sich auf einem Linkshänderinstrument viel besser musikalisch verwirklichen können.
Weitere linkshändige professionelle Pianist*innen sowie Amateurpianist*innen, die inzwischen das Musizieren auf gespiegelten Klavieren praktizieren, empfinden diese Spielweise als wesentlich passender und stimmiger – ja, als die einzig „richtige“ Spielweise für sich. Sie fühlen sich mit ihrem Instrument viel mehr verbunden, wenn ihre dominante linke Hand in der höheren Lage die musikalische Führungsrolle übernehmen kann. Diese Erfahrungen können sie im Unterricht bereits überzeugend ihren linkshändigen Schüler*innen vermitteln. Dabei wird es unterschiedlich gesehen, ob Linkshänder*innen eine gespiegelte Notation benötigen oder ob sich die gängige Notation beim gespiegelten Spiel ohne weiteres lesen und auf das Instrument übertragen lässt.
Was das passende Instrument betrifft, so sind akustische Klaviere nur vereinzelt auf Bestellung als Linkshändermodelle erhältlich (Fa. Blüthner). Preisgünstigere Lösungen gibt es für E-Pianos und moderne Silent Pianos: Ein sogenannter Keyboard-Mirror, der die Tastenbelegung spiegelt, kann an Instrumente mit MIDI-Schnittstelle angeschlossen werden. Alternativ lässt sich eine elektronische Tastatur auch über Computer oder Tablet mit dem Programm „web-midi-mirror“ spiegeln. (vgl. www.linksgespielt.de/post/keyboard-mirror und www.linksgespielt.de/post/klavier-tastatur-spiegeln-software.) Von der Firma Blüthner gibt es ein Digitalpiano, das auf „Linkshändermodus“ umgeschaltet werden kann (Pro88Ex) – es hat den Tastenspiegel sozusagen schon integriert.
Somit ist ein qualitativ hochwertiges E-Piano mit Tastenspiegelung für Linkshänder*innen am Klavier eine ihrer Händigkeit entsprechende Alternative, die auch im Unterricht angeboten werden sollte.
Gegen den Einsatz von Linkshänderklavieren mögen verschiedene nachvollziehbare Argumente sprechen – vor allem wird weiterhin die mangelnde Verfügbarkeit von akustischen Linkshänderklavieren angeführt. Wenn das Spielen auf einer gespiegelten Tastatur nicht in Frage kommt, sollte im Unterricht unbedingt methodisch auf die Linkshändigkeit der Schüler*innen eingegangen werden. Denn Lehrkräfte beobachten, dass linkshändige Schüler*innen das Spiel intuitiv über ihre linke Hand führen möchten und dass deren linke Hand in der Regel geschickter, aktiver und ausdrucksstärker ist. Linkshändige Kinder haben nicht selten Schwierigkeiten mit gängigen Klavierschulen, die die rechte Hand im Melodiespiel ausbilden und der linken Hand die (akkordische) Begleitung zukommen lassen. Wenn das Bewusstsein dafür wächst, dass das Klavier in seiner herkömmlichen Bauweise ein Rechtshänderinstrument ist, können häufig auftretende Probleme bei Linkshänder*innen –Technik, Ausdruck und Spielrichtung betreffend – besser eingeordnet und evtl. auch gelöst werden.
Um links- und rechtshändigen Schüler*innen gleichermaßen einen guten Weg zu einem erfolgreichen Klavierspiel zu ermöglichen, sollten Lehrkräfte um die Bedeutung der Händigkeit für das Klavierspiel wissen. Zugleich brauchen sie Offenheit und Sensibilität für die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Schüler*innen. (Vgl. Arnoldussen et al., Klavierunterricht mit links. Lernwege für KlavierschülerInnen – von der linken Hand aus gedacht, in Üben & Musizieren 4/25, S. 36-38.)
Andrea Arnoldussen, 23.02.2026