{"id":2628,"date":"2019-01-24T09:35:33","date_gmt":"2019-01-24T08:35:33","guid":{"rendered":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/information\/sport-und-haendigkeit\/genialer-linker-fuss\/"},"modified":"2019-04-26T10:25:28","modified_gmt":"2019-04-26T08:25:28","slug":"genialer-linker-fuss","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/sport-und-haendigkeit\/genialer-linker-fuss\/","title":{"rendered":"Genialer linker Fu\u00df"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt\">Alan Cizek<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>Eine etwas andere Intepretation des &#8222;Magischen Dreiecks&#8220; (1)<br \/>\n<\/strong><\/span>Giovane Elber ist ein begnadeter Fu\u00dfballspieler. Aus dem Land der Ballzauberer (2) kam er vor vier Jahren (1994) nach Deutschland, um der Bundesliga seine Spielkunst zu zeigen. Gerade f\u00fcr den VfB Stuttgart und f\u00fcr seine Fans war er Gold wert. Seine Dribblings, seine Schu\u00dfst\u00e4rke, seine Tricks und seine Tore waren schon eine Augenweide. Er trug ma\u00dfgeblich dazu bei, dass der Club 1997 sich den DFB-Pokal holte.<\/p>\n<p>Unter Fachleuten und unter den Fans galt Giovane als der beste Spieler der Bundesliga. Durch seine hervorragende Spielweise wurde unter anderem auch der FC Bayern M\u00fcnchen auf ihn aufmerksam und dieser kaufte ihn f\u00fcr eine Rekordsumme (ca. 12 Millionen). Man erhoffte sich von ihm, dass der FC Bayern M\u00fcnchen dadurch noch erfolgreicher werden k\u00f6nnte. Aber schon nach den ersten Bundesligaspielen kam die Ern\u00fcchterung: schwache Spiele, wenig Tore, kaum gelungene Dribblings und das Wichtigste, kaum Spielfreude.<\/p>\n<p>Wie konnte das geschehen?<\/p>\n<p>War der M\u00fcnchner F\u00f6hn daran schuld? Oder die Wei\u00dfw\u00fcrste und das Bier? Wohl kaum! Eher wahrscheinlich die Spielweise von M\u00fcnchen. In Stuttgart konnte Giovane sich richtig entfalten. Mit seinem linksf\u00fc\u00dfigen Freund Kassimir Balakow und seinem rechtsf\u00fc\u00dfigen Freund Fredi Bobic bildete er das sogenannte &#8222;Magische Dreieck&#8220;. Er verstand sich mit diesen Kameraden f\u00f6rmlich blind. Ein kleines Zeichen mit dem Finger oder ein Augenwink und die anderen Spieler wu\u00dften, welcher Spielzug zu machen ist.<\/p>\n<p>Sicher, eine gewisse Gew\u00f6hnungszeit braucht jeder. Aber beim FC Bayern M\u00fcnchen dauerte es lange, bis er einen kongenialen Spielpartner fand. Bei der Mannschaft fehlte ihm das &#8222;Magische Dreieck&#8220;. Leider gingen so einige Spiele verloren, die seinen Marktwert etwas sinken lie\u00dfen und seinen Traum, in die brasilianische Nationalelf zu kommen, in weite Ferne r\u00fcckte.<\/p>\n<p>Das Beispiel Giovane Elbers ist typisch f\u00fcr einen Linksf\u00fc\u00dfer\/Linksh\u00e4nder. Wenn man ihn sich frei entfalten l\u00e4\u00dft, kann er einer der besten Spieler der Welt sein. Wenn er aber keine ihm entsprechenden Mitspieler hat, die auf seine Art richtig reagieren und die zueinanderpassen, dann wirkt er, trotz aller Bem\u00fchungen, wie ein Fremdk\u00f6rper und wird so h\u00e4ufig ausgewechselt, bis er frustriert einen anderen Club suchen will.<\/p>\n<p>Fu\u00dfball ist zwar ein Mannschaftssport, aber gro\u00dfe Spieler m\u00fcssen immer wieder mal eigene Wege gehen und gerade das macht sie ber\u00fchmt und auch gef\u00fcrchtet. Linksf\u00fc\u00dfer sind h\u00e4ufig ausgepr\u00e4gte Individualisten und brauchen bestimmte Freiheiten, um sich zu entfalten. Auch Giovane Elber braucht diese Freiheiten, die er beim VfB Stuttgart oft bekommen hat, bei den Bayern gr\u00f6\u00dftenteils aber nicht.<\/p>\n<p>Linksh\u00e4nder\/Linksf\u00fc\u00dfer sind oft ein bi\u00dfchen genial, aber auch ein bi\u00dfchen exzentrisch, wie das Beispiel Maradona zeigt, dessen Eskapaden ber\u00fchmt sind: Genialer Spieler, aber auch ein schwieriger Charakter.<\/p>\n<p>&#8222;H\u00e4ndigkeit ist Hirnigkeit&#8220; sagt Frau Dr. Sattler in ihrem Buch &#8222;<a href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/\">Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder der Knoten im Gehirn<\/a>&#8222;. <strong>Das gleiche gilt f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jeder<\/strong> hat einen dominanten Fu\u00df. Beidh\u00e4nder und Beidf\u00fc\u00dfer gibt es in dem Sinne nicht, dass beide F\u00fc\u00dfe oder H\u00e4nde gleich gut in der gleichen T\u00e4tigkeit sind. Meist sind dann beide eher schlecht.<\/p>\n<p>&#8222;Den anderen Fu\u00df hat er nur dazu, damit er nicht umf\u00e4llt&#8220; hei\u00dft eine Floskel, die von vielen Reportern immer wieder zitiert wird. Um dies zu verhindern, setzen manche Trainer das absurde Argument in die Praxis um, schon bei den<\/p>\n<p>J\u00fcngsten, bei Verdacht auf Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten den schw\u00e4cheren Fu\u00df verst\u00e4rkt zu trainieren, damit die Spieler zwei gleich starke F\u00fc\u00dfe bekommen. Beidf\u00fc\u00dfigkeit habe zwar den theoretischen Vorteil, jede Position spielen zu k\u00f6nnen und damit den Gegner zu verwirren und im Bedarfsfall einen Mannschaftskameraden auf jeder Position zu ersetzen. <strong>Aber auch das ist eine unzul\u00e4ssige Umschulung! <\/strong>Denn das bedeutet nichts anderes, als den dominanten Fu\u00df zu schw\u00e4chen und den andere m\u00f6glicherweise zu \u00fcberfordern. Au\u00dferdem wird dabei oft vergessen, dass auch die eigenen Spieler verwirrt werden k\u00f6nnen (gerade bei den Anf\u00e4ngern), wenn sich einer bei jedem Spiel anders verhalten muss.<\/p>\n<p>Wie viele gerade unter den j\u00fcngeren Spielern scheitern an dem beidf\u00fc\u00dfigen Training und wenden sich entt\u00e4uscht von diesem Sport ab?<\/p>\n<p>Wie mittlerweile bekannt ist, steuert die rechte Gehirnh\u00e4lfte vornehmlich die linke K\u00f6rperseite. Also den linken Arm, die linke Hand, die linke H\u00fcfte, das linke Bein, das linke Knie und den linken Fu\u00df. Und die linke Gehirnh\u00e4lfte macht das genau andersherum. Die Nervenbahnen kreuzen sich also einmal. Wenn man nun den falschen Fu\u00df trainiert, aber die richtige H\u00e4ndigkeit hat, dann kommt es zu Belastung der nicht dominanten Gehirnh\u00e4lfte und wenn es sich um einen Profispieler handelt, dann ist es eine andauernde Falsch- und unn\u00f6tige \u00dcberbelastung des Gehirns. In der Praxis zeigen sich dazu unter Stre\u00df gravierende Fehlleistungen.<\/p>\n<p>Deshalb sollten die Trainer, besonderes bei den Nachwuchsspielern, den dominanten Fu\u00df f\u00f6rdern, damit die Kinder nicht durcheinander kommen, sich nachteilige Automatismen ein\u00fcben und sp\u00e4ter versehentlich mit dem &#8222;falschen Fu\u00df&#8220; spielen.<\/p>\n<p>Die m\u00f6glichen Folgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Freude am Fu\u00dfballspielen geht verloren,<\/li>\n<li>Fehlleistungen bei gr\u00f6\u00dferer Belastung und hohen Anforderungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So kann man ein eigentlich gro\u00dfes Talent verlieren, was f\u00fcr die derzeitige Situation im Nachwuchsbereich des deutschen Fu\u00dfballs nicht gerade f\u00f6rderlich ist.<\/p>\n<p>Deswegen w\u00e4re es gut, dass der Trainer ein Gespr\u00e4ch mit den Eltern f\u00fchrt, welche Seite beim Kind die st\u00e4rkere ist, damit sie dann darauf achten, dass erstens nichts falsch gemacht wird und zweitens diese besonders f\u00f6rdern. Denn Linksf\u00fc\u00dfer k\u00f6nnen genauso geniale Fu\u00dfballer werden, wie Pele, Maradona, Balakow oder Elber.<\/p>\n<p>Interessant w\u00e4re die Frage, ob Menschen mit umgeschulter Linksh\u00e4ndigkeit und nicht umgeschulter Linksf\u00fc\u00dfigkeit insgesamt schlechtere Fu\u00dfballspieler sind, als nicht umgeschulte Linksh\u00e4nder. Allerdings werden wir hier das Problem mit der Zuordnung haben, denn wir werden kaum messen k\u00f6nnen, wie der Fu\u00dfballer ohne die Umschulung der H\u00e4ndigkeit gespielt h\u00e4tte und zudem darf nie vergessen werden, dass ob Rechts- oder Linksf\u00fc\u00dfer, ein Talent f\u00fcr den Sport geh\u00f6rt dazu und die besten F\u00e4higkeiten vieler Linksh\u00e4nder r\u00e4umlich zu verarbeiten und wahrzunehmen n\u00fctzen beim Fu\u00dfball wenig, wenn keine sportliche Begabung hinzukommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/span><\/p>\n<ol>\n<li>Left Hand Corner, Nr. 04 07-1998, S. 27-31.<\/li>\n<li>F\u00fcr Leute, die nicht wissen wo das liegt: Brasilien<\/li>\n<\/ol>\n<p>Alan Cizek, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle f\u00fcr Linksh\u00e4nsr und umgeschulte Linksh\u00e4nder e.V., Sendlinger Str. 17, 80331 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Aus: <a href=\"http:\/\/lefthandcorner.wtal.de\/frame.html\">Left Hand Corner<\/a>, Nr. 04 07-1998<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alan Cizek Eine etwas andere Intepretation des &#8222;Magischen Dreiecks&#8220; (1) Giovane Elber ist ein begnadeter Fu\u00dfballspieler. Aus dem Land der Ballzauberer (2) kam er vor vier Jahren (1994) nach Deutschland, um der Bundesliga seine Spielkunst zu zeigen. Gerade f\u00fcr den VfB Stuttgart und f\u00fcr seine Fans war er Gold wert. Seine Dribblings, seine Schu\u00dfst\u00e4rke, seine Tricks und seine Tore waren schon eine Augenweide. Er trug ma\u00dfgeblich dazu bei, dass der Club 1997 sich den DFB-Pokal holte. Unter Fachleuten und unter den Fans galt Giovane als der beste Spieler der Bundesliga. Durch seine hervorragende Spielweise wurde unter anderem auch der FC Bayern M\u00fcnchen auf ihn aufmerksam und dieser kaufte ihn f\u00fcr eine Rekordsumme (ca. 12 Millionen). Man erhoffte sich von ihm, dass der FC Bayern M\u00fcnchen dadurch noch erfolgreicher werden k\u00f6nnte. Aber schon nach den ersten Bundesligaspielen kam die Ern\u00fcchterung: schwache Spiele, wenig Tore, kaum gelungene Dribblings und das Wichtigste, kaum Spielfreude. 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