{"id":2265,"date":"2019-01-17T09:41:49","date_gmt":"2019-01-17T08:41:49","guid":{"rendered":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/information\/literatur\/der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/vorwort-zum-buch-der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/"},"modified":"2019-04-03T11:12:14","modified_gmt":"2019-04-03T09:12:14","slug":"vorwort-zum-buch-der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/vorwort-zum-buch-der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/","title":{"rendered":"Vorwort zum Buch:  Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder Der Knoten im Gehirn"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 20pt\"><b>Wie Schicksale zum Aha-Erlebnis wurden<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><em><span style=\"font-size: 12pt\">Ein ganz pers\u00f6nliches Vorwort<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Mein Freund Karl war schon auf dem Gymnasium der Beste. Dazu noch offenherzig und sportlich, war er allgemein beliebt, und jeder fand sich leicht damit ab, dass er gro\u00dfe Ziele erreichen w\u00fcrde. So beneidete ihn auch niemand, als er an der Universit\u00e4t Medizin zu studieren begann, mit der Ausrichtung auf Chirurgie. Alle wussten, dass er, dank seines guten Ged\u00e4chtnisses, jedes beliebige Fach genauso gut geschafft h\u00e4tte, ebenso wie er einmal, auf Grund einer Wette, f\u00fcnf Sprachen in kurzer Zeit erlernt hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr seine allseitige Begabung lieferte er schon als Jugendlicher den Beweis, als er mit der Tochter eines Uhrmachers nur die gro\u00dfen Ferien lang befreundet gewesen war und nebenbei von ihrem Vater so viel gelernt hatte, dass er fortan sein Taschengeld mit Uhrreparaturen und -erneuerungen aufbesserte und alten, billig eingekauften Ramsch zu echten, funktionsf\u00e4higen Antiquit\u00e4ten wiederbelebte. Somit schien er f\u00fcr die Feinheiten der Chirurgie pr\u00e4destiniert und hat auch schnell entsprechende Erfolge gehabt. Seine Assistentenstelle an der Universit\u00e4t wurde dann als selbstverst\u00e4ndlich hingenommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Ich traf Karl einige Jahre sp\u00e4ter bei einem Urlaub in Spanien und wunderte mich, was er dort, noch w\u00e4hrend des Sommersemesters, mache. Er erz\u00e4hlte mir von seinem Pech. Der Oberarzt an der Uniklinik, ein namhafter Chirurg, von dem er sehr viel lernen wollte, war unerwartet zu einem Kongress gefahren, und Karl sprang f\u00fcr ihn ein. Bei einer etwas komplizierten Operation, die er mit dem Team des Oberarztes durchf\u00fchren durfte, kam es beim Zureichen eines Instrumentes zur Verletzung einer Sehne seiner rechten Hand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Der Umstand, der zu dieser Verletzung gef\u00fchrt hatte, klang fast wie eine Anekdote: Karls Vorgesetzter war Linksh\u00e4nder, sein ganzes Team war darauf eingespielt, aber Karl war Rechtsh\u00e4nder. Die Anspannung w\u00e4hrend der Operation tat das ihre dazu, und durch eine Routinebewegung, die f\u00fcr Karl die &#8222;falsche&#8220; war, kam es zu der Verletzung. Da Karl mit der linken Hand nicht operieren konnte, war er au\u00dfer Gefecht gesetzt und nahm Urlaub.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Und ich hatte wieder Gelegenheit, seine Willenskraft und Durchsetzungsf\u00e4higkeit zu bewundern: Er nutzte diese Urlaubszeit mit beeindruckender Konsequenz zu \u00dcbungen mit der linken Hand, und das praktisch den ganzen Tag lang. Er schrieb nur links und hatte sich sogar mehrere Fachb\u00fccher besorgt, die sich mit dem Training der linken Hand besch\u00e4ftigten. Er war fest entschlossen, Geschicklichkeit und Pr\u00e4zision der linken Hand derartig zu schulen, dass er zuk\u00fcnftig f\u00e4hig sein w\u00fcrde, mit beiden H\u00e4nden zu operieren, dass er sich quasi zwei rechte H\u00e4nde antrainierte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Er lachte noch \u00fcber die unfreiwillige Erfahrung, wie er das erste Mal versucht hatte, mit links etwas Kompliziertes auszuf\u00fchren, und wie niederschmetternd das Ergebnis gewesen war. Ich habe es dann insgeheim auch versucht und festgestellt, dass bei mir die linke als handelnde Hand praktisch unbrauchbar ist, aber da ich nicht Karls Ehrgeiz besitze, belie\u00df ich es bei dieser Erfahrung. Dann haben wir uns lange Zeit nicht mehr gesehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Als ich nach etwa acht Jahren versuchte, einen Patienten in eine geeignete, aber vollbesetzte Kurklinik einzuweisen, stellte ich bei meinen Telefonaten fest, dass der Kurdirektor Karl war. Etwas in seiner Stimme hat meine professionelle Reaktion derart alarmiert, dass ich meinen Patienten pers\u00f6nlich dorthin begleitete. Der Unterton weckte bei mir ganz bestimmte, bekannte Assoziationen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Und dann sa\u00dfen wir zusammen, und aus Karl str\u00f6mten Resignation und Angst vor einem geheimnisvollen, progressiv zersetzenden Gehirnproze\u00df, der m\u00f6glicherweise schon eine psychopathologische Symptomatik annahm. Auf der anderen Seite \u00fcberspielte er alles wieder mit Zwangsoptimismus &#8211; er verdiene hier in der Kurklinik viel Geld und habe dabei seine Ruhe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Er schilderte mir dann, wie er nach der R\u00fcckkehr aus Spanien intensiv Neurologie studierte, weil er sich auf Neurochirurgie spezialisieren wollte, und noch intensiver seine Habilitationsarbeit vorbereitete. Und dabei stellte er das erste Mal in seinem Leben fest, dass er pl\u00f6tzlich irgendwie nicht mithalten konnte &#8211; er verglich sich mit einem Motor mit unerwarteten Z\u00fcndungsaussetzern bei vollem Lauf. Sein Ged\u00e4chtnis versagte beim Abrufen von Lerninhalten, und das steigerte sich von Fall zu Fall durch die Stre\u00dfsituation, in die er sich in Erinnerung an vergangenes Versagen zunehmend brachte &#8211; psychischer Circulus vitiosus. Dann begannen seine H\u00e4nde zu zittern, und er war nicht mehr f\u00e4hig, pr\u00e4zise Bewegungen durchzuf\u00fchren &#8211; mit Chirurgie war es zu Ende.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Seine ganze Welt st\u00fcrzte zusammen. Alles, worauf er sich seit seiner Kindheit sicher verlassen konnte, war zerbrochen. In einer Nacht rettete ihn nur ein Zufall vor der Durchf\u00fchrung des pr\u00e4zis vorbereiteten Suizids.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die verschiedensten Diagnosen wurden durchexerziert, von beginnender endogener Psychose \u00fcber Multiple Sklerose, Parkinsonsche Krankheit bis zu Morbus Alzheimer &#8211; alles ohne jeden Befund. Karl begann zu trinken, bekam erste Konflikte mit dem Dekan, dann mit der eigenen Frau und l\u00f6ste beide mit Hilfe seines Vaters, der ihm diese Direktorenstellung in der Kurklinik verschaffte. Nach der Scheidung will er vorl\u00e4ufig keine neue Beziehung eingehen, und, wie er sagte, leidet er unter hypochondrischen \u00c4ngsten und Furcht vor der Zukunft. Diese Diagnose konnte ich nur best\u00e4tigen, gab ihm einige obligatorische Weisheiten f\u00fcr seinen weiteren Lebensweg mit und verlie\u00df ihn mit dem bohrenden Gef\u00fchl der Ohnmacht, weil auch ich keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine Beschwerden wusste. Karl bliebt f\u00fcr mich wie ein Menetekel des unbegreiflichen Schicksals, das ich zu verdr\u00e4ngen suchte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Sp\u00e4ter, als ich bereits eine l\u00e4ngere, ziemlich erfolgreiche psychotherapeutische Praxis nachweisen konnte, wurde einmal ein hoher Ministerialbeamter zu mir empfohlen. Er hatte f\u00fcnf unterbrochene Psychotherapien hinter sich mit zwei Suizidversuchen, und vor sich hatte er die Perspektive einer j\u00e4h endenden Karriere durch Versetzung ins Abseits oder sogar durch vorzeitige Pensionierung. Er schilderte mir mit betr\u00e4chtlicher, resignierender Routine sein Schicksal. Begonnen hatte alles mit der Verwicklung in einen Autounfall, an dem er zwar unschuldig war, es ist dabei aber zur T\u00f6tung eines Kindes gekommen. Danach kamen Depressionen&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Seine Frau verlie\u00df ihn und nahm alle drei Kinder mit. Dann verlor er jede finanzielle R\u00fccklage durch falsche Beratung und Konkurs der Anlagegesellschaft. Nach R\u00fcckkehr von einer Auslandsreise stellt er fest, dass sein Einfamilienhaus nicht nur ausgeraubt, sondern auch angez\u00fcndet worden war, und man wies ihm eine Unterversicherung nach.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Dann hielt er einen routinem\u00e4\u00dfigen Vortrag vor einem EG-Ausschuss, und pl\u00f6tzlich verlor er v\u00f6llig den Faden, sein Ged\u00e4chtnis versagte, er begann zu stottern und stammeln und verlie\u00df schlie\u00dflich, in spontaner Panik, fluchtartig den Saal. Danach geschah es mit erschreckender Regelm\u00e4\u00dfigkeit immer wieder, dass er schon bei einer harmlosen Sitzung seine Rede verga\u00df und alles ablesen musste, wobei auch das nicht immer gelang, vor allem wenn Zwischenfragen kamen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die bei ihm durchgef\u00fchrten Untersuchungen lie\u00dfen in mir pl\u00f6tzlich Erinnerungen an Karl mit seinen &#8222;Ged\u00e4chtnisfehlz\u00fcndungen&#8220; aufkommen: Nachdem der Patient selbst charakterisierte, dass er irgendwie fortschreitend &#8222;verbl\u00f6de&#8220;, suchte man nach Psychose, Multipler Sklerose oder Morbus Alzheimer &#8211; genauso wie bei Karl und auch ohne jeden Erfolg. Ich versuchte alles, was Nerven\u00e4rzten, Psychiatern und Psychotherapeuten an diagnostischen M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung steht, und ging bis in seine fr\u00fcheste Kindheit zur\u00fcck, ohne nur die geringste Spur eines Anhaltspunktes zu finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Eines Tages betrachtete der Patient bei mir ein Plakat an der Wand, das die neueste Ausstellung in memoriam Leonardo da Vincis ank\u00fcndigte. Ich beobachtete, wie ihn die dort reproduzierte Spiegelschrift von Leonardo da Vinci richtiggehend faszinierte, und erkl\u00e4rte ihm, dass der hochbegabte Wissenschaftler und K\u00fcnstler alle seine Aufzeichnungen in Spiegelschrift ausgef\u00fchrt h\u00e4tte, um sie angeblich nicht f\u00fcr jeden lesbar zu machen. Und mein Patient sagte am\u00fcsiert, dass auch er Spiegelschrift schreiben k\u00f6nne, und ich erinnerte mich pl\u00f6tzlich an den Vortrag einer Kollegin, wie sie so nebenbei anf\u00fchrte, dass Spiegelschrift schreiben zu k\u00f6nnen zu den F\u00e4higkeiten von Linksh\u00e4ndern bzw. von umgeschulten Linksh\u00e4ndern geh\u00f6re. Mein Patient wehrte sich aber entschieden, ein Linksh\u00e4nder zu sein; ich lie\u00df trotzdem nicht locker und brachte ihn zu Dr. Sattler und ihrer Computeruntersuchungsapparatur, die mich einmal als absoluten Rechtsh\u00e4nder entlarvt hatte. Bei dem Patient geschah das Gegenteil &#8211; er zeigte sich als eindeutiger Linksh\u00e4nder, der auf die rechte Hand umgeschult worden war. Und dann erinnerte er sich erst, dass er fr\u00fcher weit mehr die linke Hand zum Ausf\u00fchren verschiedener T\u00e4tigkeiten benutzt hatte &#8211; haupts\u00e4chlich wenn Kraft und Genauigkeit gefordert waren &#8211; und dass er sogar noch im Kindergarten mit links zu schreiben begonnen hatte. Aber das war ihm schnell und erfolgreich ausgetrieben worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Ich begann mich mit der Arbeit von Dr. Sattler intensiv zu besch\u00e4ftigen und nahm gleichzeitig Kontakt mit einer Vielzahl von Psychotherapeuten auf. Wir suchten nach Patienten mit einer \u00e4hnlichen Symptomatik &#8211; bei denen keine Therapiemethode richtig ansprach &#8211; und schleusten sie durch die Computeruntersuchungsapparatur zur Feststellung der H\u00e4ndigkeit. Zu unserer gr\u00f6\u00dften \u00dcberraschung handelte es sich bei fast allen um umgeschulte Linksh\u00e4nder; zwei waren sogar nach Verletzungen umgeschulte Rechtsh\u00e4nder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Und ich sah die &#8211; mangels Nachvollziehbarkeit &#8211; so fremde, individuelle und einsame Welt (von Menschen nach einer Umschulung der H\u00e4ndigkeit mit deren massiven Auswirkungen) &#8211; und zwar in ihrem Endstadium &#8211; vor mir.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die Lebenstrag\u00f6die von Karl bekam pl\u00f6tzlich Erkl\u00e4rung und Begr\u00fcndung. Durch die selbst durchgef\u00fchrte Umschulung, durch das massive Training seiner linken Hand, wurde er mit allen Umschulungsfolgen konfrontiert, mit denen sich auch ein &#8222;normal&#8220; umgeschultes Kind herumschlagen muss, verst\u00e4rkt aber noch durch den Effekt, den wir von Kinderkrankheiten kennen: Wenn sie ein Erwachsener bekommt, verlaufen sie weit schlimmer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bei dem Ministerialbeamten lag der Fall anders, aber wieder absolut eindeutig: Alle die zus\u00e4tzlichen Kr\u00e4fte und Anstrengungen, die er lebenslang gebraucht hatte, sich &#8222;Eselsbr\u00fccken&#8220; zu bauen, um eine seiner Intelligenz entsprechende Leistung erbringen zu k\u00f6nnen, waren auf einmal weg. Dieses gesamte zus\u00e4tzliche Energiepotential ging durch den vorrangigen &#8222;Saugeffekt&#8220; der emotionalen Belastungen pl\u00f6tzlich verloren. Sein Unfall und dessen Folgen hatten eine prim\u00e4re Rolle in seiner Psyche eingenommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Nur durch st\u00e4ndig erh\u00f6hte Konzentration kann ein umgeschulter Linksh\u00e4nder die zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigten Kr\u00e4fte aufbringen. Die Kr\u00e4fte aber, die durch die Gef\u00fchlsbelastung entzogen werden, fehlen ihm dann bei Denkreaktionen, beim Bau von &#8222;Eselsbr\u00fccken&#8220; und bei einge\u00fcbter komplizierter Hirnarbeit: Sein Ged\u00e4chtnis versagt. Und dann l\u00e4uft es nach den gleichen Gesetzen ab, die z.B. auch Schlaf- und Potenzst\u00f6rungen betreffen: Es gen\u00fcgt die Erinnerung an das Versagen, um ein neues Versagen herbeizuf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Heute kenne ich hunderte von Beispielen, mit denen auch meine Kollegen konfrontiert waren und die sicher nur einen Bruchteil der menschlichen Trag\u00f6dien widerspiegeln, weil nur ein Bruchteil der Betroffenen Hilfe in der Psychotherapie sucht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wir haben durch die Praxis hier ein neues, schwerwiegendes Ph\u00e4nomen erkennen gelernt, das mit hoher Wahrscheinlichkeit tief selektive Auswirkungen im Bereich der Chancengleichheit in unserer Kultur- und Leistungsgesellschaft hat. Die Weichenstellungen in dem modernen, hochentwickelten Lebenssystem bauen auf den verschiedensten Pr\u00fcfungen seit Kindesalter auf, und hier sind die Karten f\u00fcr umgeschulte Linksh\u00e4nder von Anfang an falsch verteilt. Und niemand merkte das, bis eine Wissenschaftlerin sich damit intensiv zu besch\u00e4ftigen begann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr mich begann die Forschung von Dr. Sattler immer deutlicher einen Meilensteineffekt zu zeigen. Von dem Gesichtspunkt eines jahrelang praktizierenden Psychotherapeuten aus wird das vielleicht einmal einer der wichtigsten existenzbestimmenden Faktoren, die in diesem Jahrhundert entdeckt wurden. Die Faszination, die diese Forschungsergebnisse aus\u00fcben, bezieht sich vor allem auf die Verbindung der Theorie mit der Praxis, die sich andauernd durch die geleistete Arbeit zieht. Der Aha-Effekt, den man bei der Konfrontation mit dem lebensnahen Werk des Arbeitsteams von Dr. Sattler bekommt, ist verbl\u00fcffend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wo fr\u00fcher hunderte von komplizierten Theorien wuchern konnten, steht hier eine klare, in ihrer Selbstverst\u00e4ndlichkeit absolut begreifliche Kausalit\u00e4t, und man wundert sich nur, wieso das einem fr\u00fcher nicht selbst aufgefallen ist&#8230; warum man nicht selbst die so klar sichtbare &#8222;Ursache und Wirkung&#8220; in Relation gestellt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Und es ist um so erstaunlicher, dass man in vielen wissenschaftlichen Richtungen diesen Erkenntnissen in verschiedenen Segmenten sehr nahe kam, Einzelergebnisse aber nie in die Ganzheit summierte und gegenseitig erg\u00e4nzte. Aber das ist wahrscheinlich der gleiche Effekt wie bei allen gro\u00dfen Entdeckungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Das Ganze wurde dann verdienterweise auch durch hohe Anerkennung des Internationalen Neurophysiologischen Kongresses in Istanbul 1987 honoriert, wo Dr. Sattler die Ehre gew\u00e4hrt wurde, pers\u00f6nlich einen Vortrag (auf englisch) zu halten. Und danach schrieb man \u00fcber sie und ihre Arbeit in der ganzen Welt, es folgten unz\u00e4hlige Rundfunk- und Fernsehsendungen, die Pressemappe allein ist heute \u00fcber dreieinhalb Zentimeter dick.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Und mir wurde auch bewusst, dass wir es hier mit einem klassischen Fall zu tun haben, wo durch Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen praktisch die gesamte Problematik gel\u00f6st werden kann, und dass hier gleichzeitig ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Beispiel der vorbildlich g\u00fcnstigen Kosten-Nutzen-Relation vorliegt. Je fr\u00fcher diese Pr\u00e4vention stattfindet, umso erfolgreicher wird sie. Das bedeutet, man muss in den Kinderg\u00e4rten und in den Grundschulen beginnen. Und gerade in diese Richtung zielt die gesamte praxisbezogene Arbeit von Dr. Sattler, was in diesem Buch deutlich dokumentiert ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Dr. Ivo-Kurt Cizek, Dipl.-Psych., M.A. (Soz.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Schicksale zum Aha-Erlebnis wurden Ein ganz pers\u00f6nliches Vorwort Mein Freund Karl war schon auf dem Gymnasium der Beste. Dazu noch offenherzig und sportlich, war er allgemein beliebt, und jeder fand sich leicht damit ab, dass er gro\u00dfe Ziele erreichen w\u00fcrde. So beneidete ihn auch niemand, als er an der Universit\u00e4t Medizin zu studieren begann, mit der Ausrichtung auf Chirurgie. Alle wussten, dass er, dank seines guten Ged\u00e4chtnisses, jedes beliebige Fach genauso gut geschafft h\u00e4tte, ebenso wie er einmal, auf Grund einer Wette, f\u00fcnf Sprachen in kurzer Zeit erlernt hatte. F\u00fcr seine allseitige Begabung lieferte er schon als Jugendlicher den Beweis, als er mit der Tochter eines Uhrmachers nur die gro\u00dfen Ferien lang befreundet gewesen war und nebenbei von ihrem Vater so viel gelernt hatte, dass er fortan sein Taschengeld mit Uhrreparaturen und -erneuerungen aufbesserte und alten, billig eingekauften Ramsch zu echten, funktionsf\u00e4higen Antiquit\u00e4ten wiederbelebte. Somit schien er f\u00fcr die Feinheiten der Chirurgie pr\u00e4destiniert &#8230; <a title=\"Vorwort zum Buch:  Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder Der Knoten im Gehirn\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/vorwort-zum-buch-der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Vorwort zum Buch:  Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder Der Knoten im Gehirn\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":2199,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_cbd_carousel_blocks":"[]","footnotes":""},"class_list":["post-2265","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2265"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4764,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2265\/revisions\/4764"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}