{"id":2173,"date":"2019-01-12T18:56:57","date_gmt":"2019-01-12T17:56:57","guid":{"rendered":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/beratung\/testung\/praxisergo-artikel\/"},"modified":"2020-10-16T15:01:58","modified_gmt":"2020-10-16T13:01:58","slug":"praxisergo-artikel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/beratung\/testung\/praxisergo-artikel\/","title":{"rendered":"Linksh\u00e4nder und umgeschulte Linksh\u00e4nder in der Ergotherapie"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><strong><span style=\"font-size: 16pt\">Johanna Barbara Sattler<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">1. Einf\u00fchrung<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Immer h\u00e4ufiger werde Fachleute wie Ergotherapeuten, Heilp\u00e4dagogen, Motop\u00e4dagogen, aber auch Kinder- und Haus\u00e4rzte von Eltern linksh\u00e4ndiger Kinder und von umgeschulten Linksh\u00e4ndern jeden Alters um Rat und Hilfe bei Fragen der H\u00e4ndigkeit angegangen. Dabei lassen sich verschiedene Fragenkomplexe klar unterscheiden:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">H\u00e4ndigkeit bei Kindern: Art und Alter der Manifestation des bevorzugten Handgebrauchs, Entwicklung der H\u00e4ndigkeit und geeignete bzw. wichtige Gebrauchgegenst\u00e4nde f\u00fcr Linksh\u00e4nder,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Frage nach der zu f\u00f6rdernden Hand bei Kindern mit Hemiparesen und Hemiplegien, sowie bei Kindern, die bisher keinen eindeutigen bevorzugten Handgebrauch aufweisen,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Probleme umgeschulter Linksh\u00e4nder, also Linksh\u00e4nder, die zum Schreiben &#8211; und in unterschiedlichem Ausma\u00df auch f\u00fcr andere T\u00e4tigkeiten &#8211; auf den bevorzugten Gebrauch der rechten (in ihrem Fall also ihrer nicht dominanten) Hand umgeschult wurden.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Es tauchen bisweilen auch Fragen aus der Arbeitsmedizin \u00fcber die geeignete Berufswahl auf, zum Beispiel Probleme mit Anordnungen bei bestimmten Arbeitsabl\u00e4ufen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wichtig sind m\u00f6gliche Folgeerscheinungen durch eine Umstellung der bevorzugten Hand nach einem Unfall oder Arm oder nach einem Schlaganfall.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>2. Linksh\u00e4ndigkeit bei Kindern<br \/>\n<\/strong><\/span><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">In \u00e4lteren Publikationen findet man oft den Hinweis, dass sich bei Kindern die Linksh\u00e4ndigkeit erst im Alter von vier bis f\u00fcnf Jahren manifestieren w\u00fcrde, ja sogar, dass die Kinder zuvor beidh\u00e4ndig hantieren und sich dann f\u00fcr die Links- oder Rechtsh\u00e4ndigkeit entscheiden w\u00fcrden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Inzwischen hat sich aber durch die direkte und sehr breit gef\u00e4cherte Verbindung mit der Praxis, vor allem durch systematische Beobachtung und Untersuchung von heterogenen Gruppen linksh\u00e4ndiger Kinder herausgestellt, dass viele dieser Kinder weit fr\u00fcher eindeutig linksh\u00e4ndig greifen, essen, malen, die Hand geben und wesentliche T\u00e4tigkeiten mit ihrer linken Hand ausf\u00fchren und dass es \u00fcberhaupt nicht, wie oft behauptet, zwingend zu einem Wechseln der bevorzugten Hand kommen muss.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Das Alter, in dem Linksh\u00e4ndigkeit h\u00e4ufig schon feststellbar ist, ohne dass man Gefahr einer Fehldiagnose zum Beispiel durch die Auswirkung einer nicht erkannten Hemiparese l\u00e4uft, ist 12 bis 16 Monate. Manche Eltern beobachten auch schon fr\u00fcher den eindeutig pr\u00e4ferierten Gebrauch der linken Hand bei ihrem Kind, allerdings aus oben genannten Gr\u00fcnden sollte diese Bevorzugung vermerkt, aber noch nicht als endg\u00fcltige Diagnose festgelegt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wichtig ist, Eltern und wesentlichen Bezugspersonen von Anfang an vor einer Beeinflussung der H\u00e4ndigkeit zu warnen, beziehungsweise sie davon zu \u00fcberzeugen, dass eine solche Einwirkung verhindert werden sollte, denn manche Kinder stellen sich durch Nachahmungs- und Modellverhalten sehr fr\u00fch auf die W\u00fcnsche der Umwelt ein. Besonders die wachen und intelligenten Kinder beobachten sehr aufmerksam ihre Umgebung, h\u00f6ren genau zu, wor\u00fcber die anderen sprechen und begreifen schon sehr fr\u00fch, \u00fcber was geredet wird und pr\u00e4gen sich dann Einzelheiten ein. Da sie aber noch nicht so differenzieren k\u00f6nnen und auch mit Vorurteilen behaftete Meinungen wahrnehmen, k\u00f6nnen sie leicht falsch in ihrer H\u00e4ndigkeit beeinflusst werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Links- und Rechtsh\u00e4ndigkeit werden vererbt, wahrscheinlich multifaktoriell, wobei es \u00fcber die Art der Vererbung verschiedene Theorien und Meinungen gibt. Mit Links- und Rechtsh\u00e4ndigkeit scheinen, \u00e4hnlich wie mit dem Geschlecht m\u00e4nnlich und weiblich, auch bestimmte unterschiedliche Neigungen und Tendenzen im Verhalten und in der Art zu denken, f\u00fchlen und handeln verbunden zu sein (1). Siehe Literaturliste im Anhang.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">H\u00e4ndigkeit wird durch die Hirnhemisph\u00e4renlateralisation bestimmt. Sie ist Ausdruck der motorischen Dominanz der kontralateralen Gehirnh\u00e4lfte. Das hei\u00dft, die jeweilige Gehirnh\u00e4lfte steuert die ihr gegen\u00fcberliegende K\u00f6rperseite und in der H\u00e4ndigkeit pr\u00e4gt sich diese Dominanz am st\u00e4rksten aus (auf die Frage nach weiteren Lateralit\u00e4tsmerkmalen wie F\u00fc\u00dfigkeit, Ohrigkeit, \u00c4ugigkeit wird an anderer Stelle eingegangen).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Kinder hingegen, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum im Handgebrauch wechseln, die manchmal zeitweise die eine, dann wieder die andere Hand bevorzugt einsetzen oder relativ beidh\u00e4ndig hantieren, sind meist entweder durch die Umwelt und durch Modell- und Nachahmungsverhalten in ihrer H\u00e4ndigkeitsentwicklung beeinflusst und dadurch gest\u00f6rt oder sie weisen leichte zerebrale St\u00f6rungen (MCD &#8211; Minimale zerebrale Dysfunktion bzw. Teilleistungsst\u00f6rungen) auf, die unter anderem zu einer Irritation der H\u00e4ndigkeit f\u00fchren k\u00f6nnen (2).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Es ist auff\u00e4llig, dass bei beidh\u00e4ndig hantierenden Kindern, die nicht ma\u00dfgeblich durch die Umwelt in ihrer H\u00e4ndigkeitsentwicklung gest\u00f6rt wurden, es regelm\u00e4\u00dfig zu Problemen bei der Geburt oder in der Schwangerschaft gekommen ist, wobei die wohl verursachende kurzzeitige Sauerstoffunterversorgung nicht nur Folge von schweren Geburten ist, sondern auch von Sturzgeburten beziehungsweise sehr schnellen Geburten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Offensichtlich schadet die Sauerstoffunterversorgung meistens etwas mehr der motorisch dominanten Gehirnh\u00e4lfte (sie leistet mehr und hat entsprechend einen h\u00f6heren Energieverbrauch) und in der folgenden Entwicklungsphase hantiert das Kind dann beidh\u00e4ndig, bis sich die dominante Hemisph\u00e4re soweit regeneriert hat, dass sie sich durchsetzt. Gerade diese Kinder sollten m\u00f6glichst in ihrer H\u00e4ndigkeitsmanifestation nicht gest\u00f6rt, sondern es soll gut auf Defizite in der Wahrnehmung und St\u00f6rungen in der fein- und grobmotorischen Entwicklung geachtet und diese behandelt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Typisch ist bei manchen dieser Kinder auch, dass sie nicht richtig krabbeln, sondern sich rollend oder robbend fortbewegen und dann meist sogar schnell zu laufen beginnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Da die genannten Defizite f\u00fcr den Arzt oft schwer festzustellen sind und h\u00e4ufig nur als relative harmlose Entwicklungsverz\u00f6gerung betrachtet werden, die angeblich von allein vor\u00fcbergeht und die &#8222;sich mit der Zeit schon ausw\u00e4chst&#8220;, wird oft verhindert, dass diese Kinder eine entsprechende F\u00f6rderung zum Beispiel durch eine ergotherapeutische oder heilp\u00e4dagogische Behandlung erfahren &#8211; eben wegen der anscheinenden Geringf\u00fcgigkeit des Defizits. So wird auch vers\u00e4umt, rechtzeitig die Stabilisierung der H\u00e4ndigkeit zu f\u00f6rdern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Diese Kinder, die jedoch von ihrem Intelligenzniveau her normalerweise nicht gest\u00f6rt oder verz\u00f6gert sind, versuchen dann in der Kindergartenzeit die selbst sehr wohl empfundenen Defizite zum Beispiel in der Feinmotorik &#8211; also St\u00f6rungen beim Malen, Basteln und Puzzeln &#8211; zu kompensieren, indem sie sich auf andere Bereiche &#8222;spezialisieren&#8220;. Sie bauen eher mit gro\u00dfen Gegenst\u00e4nden und versuchen oft erfolgreich durch witzige Bemerkungen, die bei feinmotorischen T\u00e4tigkeiten nicht erhaltene Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dadurch entwickeln sie aber ihre feinmotorischen Fertigkeiten nicht weiter und so kommen dann intellektuell normal entwickelte Kinder in die Schule und erleben pl\u00f6tzlich die gro\u00dfe \u00dcberraschung, dass hier genau die T\u00e4tigkeiten gefordert werden, um die sie sich zuvor phantasievoll &#8222;gedr\u00fcckt&#8220;, beziehungsweise die sie erfolgreich vermieden haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Der Schock sitzt oft tief und manches Kind rutscht in F\u00f6rderklassen oder -schulen ab, manche sogar in Lernbehindertenschulen, in die sie eigentlich nicht geh\u00f6ren. Sehr interessant ist, dass man unter diesen Kindern einen gro\u00dfen Anteil gerade von denen findet, die sich in ihrer H\u00e4ndigkeit noch nicht festgelegt oder lange Zeit gewechselt haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Diese angebliche Beidh\u00e4ndigkeit betrifft nicht nur linksh\u00e4ndige sondern auch rechtsh\u00e4ndige Kinder, aber durch den bis heute noch unterschwellig vorherrschenden Druck der Gesellschaft zur Rechtsh\u00e4ndigkeit, &#8222;rutschen&#8220; diese Rechtsh\u00e4nder in ihre richtige H\u00e4ndigkeit weit leichter hinein und es sind sp\u00e4ter nur vereinzelte T\u00e4tigkeiten zu beobachten, auf die ihre linke Hand spezialisiert bleibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Das sind meist T\u00e4tigkeiten, die sich sehr fr\u00fch automatisiert, also fest einge\u00fcbt haben, als sich Gehirnabl\u00e4ufe noch nicht gen\u00fcgend stabilisiert hatten. Manchmal sind es auch T\u00e4tigkeiten aus dem grobmotorischen Bereich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bedenklich bleibt aber dabei, dass insbesondere die linksh\u00e4ndigen Kinder h\u00e4ufig in die falsche H\u00e4ndigkeit hineingleiten, mit allen negativen Folgen f\u00fcr ihr ganzes Leben. Oft wird von der Umwelt nach dem Grundsatz gehandelt, dass ein beidh\u00e4ndig hantierendes Kind ruhig auf rechts umgeschult werden kann, ganz besonders wenn das m\u00f6glichst fr\u00fch gesch\u00e4he.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Dabei wird aber \u00fcbersehen, dass in diesem Moment Gehirnablaufprozesse gest\u00f6rt und im Fall einer vorliegenden MCD in die Regeneration des Gehirns negativ eingegriffen wird und dass das Kind quasi doppelt belastet bleibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Auch die h\u00e4ufig empfohlenen beidh\u00e4ndigen Mal\u00fcbungen (gut gemeint, um feinmotorische F\u00e4higkeiten zu f\u00f6rdern) schulen gleichzeitig beide H\u00e4nde und verhindern so, dass gerade die oft st\u00e4rker gesch\u00e4digte, dominante Gehirnseite sich durchsetzen kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Entweder \u00fcbernimmt die andere Hand inzwischen wichtige T\u00e4tigkeiten ganz oder das Kind wechselt im Handgebrauch lange hin und her und bleibt mit beiden H\u00e4nden ziemlich ungeschickt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Diese Kinder sollten fr\u00fchzeitig beobachtet und einer entsprechenden Fachperson zur Diagnose vorgestellt werden. Die dann oft festgestellten Defizite, besonders in Fein- und Grobmotorik, sollten gezielt behandelt werden. Oft kommt es dann bei so einer rechtzeitig eingeleiteten Therapie auch zu zerebralen Regenerationen, in deren Folge sich h\u00e4ufig die H\u00e4ndigkeit immer deutlicher manifestert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Der Grund, warum in der Fachliteratur insbesondere diese Gruppe der linksh\u00e4ndigen Kinder aufgefallen ist und weiter warum durch das (verglichen mit den Prozentzahlen vieler g\u00e4ngiger Statistiken) relativ h\u00e4ufige Auftreten von so gesch\u00e4digten Linksh\u00e4ndern in den Praxen von Berufsgruppen wie Logop\u00e4den, Heilp\u00e4dagogen, Ergotherapeuten und Motop\u00e4den, fr\u00fcher sogar zu der Meinung gef\u00fchrt hat, dass Linksh\u00e4ndigkeit per se h\u00e4ufig mit Sprachst\u00f6rungen, Legasthenie u.\u00e4. St\u00f6rungen verbunden sei und Linksh\u00e4nder von Haus aus ungeschickter w\u00e4ren, ist, dass eben diese Berufsgruppen nur gest\u00f6rte Kinder sehen, denn nicht gest\u00f6rte linksh\u00e4ndige Kinder werden dort normalerweise nicht vorgestellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">So wird von gerade diesen Fachleuten oft nicht wahrgenommen, dass Linksh\u00e4nder feinmotorisch ebenso geschickt sein k\u00f6nnen wie Rechtsh\u00e4nder, keine Sprachst\u00f6rungen haben und auch nicht automatisch legasthenische Erscheinungen bei ihnen auftreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Einzig der Kinder- und Hausarzt bekommt die heterogene Gruppe der linksh\u00e4ndigen Kinder (sowohl mit als auch ohne Teilleistungsst\u00f6rungen) zu Gesicht, anl\u00e4\u00dflich der von sehr vielen Eltern regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrten Vorsorgeuntersuchungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Ungl\u00fccklicherweise wird aber in dem Untersuchungsheft f\u00fcr Kinder Linksh\u00e4ndigkeit nirgends als eigener Punkt aufgef\u00fchrt und so bleibt hier eine sehr gute Chance ungenutzt, um linksh\u00e4ndige Kinder von fr\u00fch an vor gut gemeinten Umschulungsversuchen der Eltern zu sch\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr diese oft unwissenden, aber in bester Absicht handelnden Eltern hingegen wird auch die M\u00f6glichkeit verpasst, sie vor sp\u00e4teren Selbstvorw\u00fcrfen und Schuldgef\u00fchlen zu bewahren und vor einem sich entwickelnden negativen Circulus vitiosus aus unbegriffenem Versagen des Kindes in der Schule, \u00dcberforderung des Kindes in der Familie, Vorw\u00fcrfen und schlie\u00dflich Verhaltensauff\u00e4lligkeiten, wie zum Beispiel R\u00fcckzugstendenzen des Kindes oder demonstratives Trotzen oder Herumkasperln, was wieder die Gemeinschaftsharmonie st\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">An sich w\u00fcrde es gen\u00fcgen, dass &#8211; zuerst im Alter von circa einem Jahr und dann noch mal von etwa vier Jahren &#8211; der Arzt \u00fcber die H\u00e4ndigkeit des Kindes nachfragt und die Eltern auf die Gefahren einer Umschulung der H\u00e4ndigkeit aufmerksam macht und ebenso auf die Notwendigkeit, dass dem Kind fr\u00fchzeitig entsprechende Gebrauchsgegenst\u00e4nde zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Eine genaue Testuntersuchung der H\u00e4ndigkeit durch den Arzt ist nicht notwendig. H\u00e4ndigkeitstestungen sollten Ergotherapeuten, Heilp\u00e4dagogen und Mototherapeuten durchf\u00fchren, die auch f\u00fcr die Diagnostik diffiziler Auff\u00e4lligkeiten in der Motorik ausgebildet sind. Auch vom zeitlich erforderlichen Rahmen w\u00fcrde eine H\u00e4ndigkeitstestung eher die M\u00f6glichkeiten der meisten Kinder- und Haus\u00e4rzte \u00fcbersteigen. Die von manchen \u00c4rzten durchgef\u00fchrten Kurztests sind zwar f\u00fcr Kinder, die eine eindeutige H\u00e4ndigkeit aufweisen, geeignet, jedoch bei den Problemkindern, die im Handgebrauch l\u00e4ngere Zeit wechseln, sie zu gro\u00dfmaschig und oft durch Zuf\u00e4lligkeiten verzerrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">3. M\u00f6glichkeiten der H\u00e4ndigkeitsbestimmung<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><strong><span style=\"font-size: 12pt\">3.1. Beobachtungskriterien des Handgebrauchs<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: arial, helvetica\">Eine H\u00e4ndigkeitsbestimmung sollte aus der Beobachtung von verschiedensten T\u00e4tigkeiten bestehen und aus den Ergebnissen von Testverfahren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bei der Bewertung von T\u00e4tigkeiten ist sehr wichtig, dass man sich \u00fcber die Aussagekraft der einzelnen Items im klaren ist. Es ist zum Beispiel zu unterscheiden zwischen T\u00e4tigkeiten, die entweder mit nur einer Hand oder mit beiden H\u00e4nden durchgef\u00fchrt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wir haben zwei H\u00e4nde, die wir normalerweise auch beide benutzen und es ist v\u00f6llig normal, dass beide H\u00e4nde ge\u00fcbt und geschickt sind. Eine Hand jedoch die F\u00fchrungshand und diese \u00fcbernimmt meist die schwierigeren Aufgaben. Das sollte die dominante Hand sein. Daher werden zur H\u00e4ndigkeitsbestimmung oft auch T\u00e4tigkeiten beobachtet, an denen beide H\u00e4nde beteiligt sind. Die Aufgaben einer Hand bezeichnen wir dann als die schwierigeren und gehen davon aus, dass diese von der F\u00fchrungshand \u00fcbernommen werden. Bei manchen T\u00e4tigkeiten ist es nun aber sehr schwer festzulegen, welches tats\u00e4chlich die wichtigere Hand, also die F\u00fchrungshand, ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Perlen auff\u00e4deln ist ein typisches Beispiel f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit, an der beide H\u00e4nde beteiligt sind und es stellt sich die Frage nach der F\u00fchrungshand. Ist es die Hand, die die Perle oder die, die den Faden h\u00e4lt? Das h\u00e4ngt auf der einen Seite sehr von der Gr\u00f6\u00dfe und der Greifbarkeit der Perle ab, dann von der Beschaffenheit des Loches in der Perle, andererseits aber auch von der Art des Fadens, der durchgef\u00fchrt werden soll: Handelt es sich um ein festes Lederband, um ein steifes Kunststoffgarn, um einen Faden mit Nadel oder um einen lappeligen, andauernd sich bewegenden, weichen Zwirn; das Ergebnis kann jedes Mal anders sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Aber auch die feinmotorischen Fertigkeiten des Kindes sind in die Beurteilung miteinzubeziehen: seine Geschicklichkeit mit kleinteiligen Gegenst\u00e4nden umzugehen oder auf der anderen Seite das Vermeiden, feine Arbeiten durchzuf\u00fchren. Selbstverst\u00e4ndlich ist auch das Alter des Kindes mitzuber\u00fccksichtigen und ob es diese T\u00e4tigkeit gewohnt zu tun ist oder ob sie f\u00fcr das Kind etwas ganz neues darstellt. Es muss auch auf die Hand geachtet werden, die sich st\u00e4rker bewegt, um so nach genauer Beobachtung, die F\u00fchrungshand festzulegen. Oft ziehen die Kinder die gerade aufgef\u00e4delte Perle \u00fcber das Band nach unten, wozu erfahrungsgem\u00e4\u00df meist nicht der Faden in die andere Hand gewechselt wird, um diese T\u00e4tigkeit auf alle F\u00e4lle mit der dominanten Hand durchzuf\u00fchren, sondern die gerade freie Hand benutzt wird und das kann auch die nicht dominanten Hand sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Gerade das Perlen auff\u00e4deln findet sich sehr oft in Zusammenstellungen zur Beobachtung der H\u00e4ndigkeit. Vielleicht weil es eine T\u00e4tigkeit ist, die bei Kindern oft beobachtet werden kann und die Kinder auch gerne machen. Tats\u00e4chlich ist Perlen auff\u00e4deln aber eine denkbar ung\u00fcnstige T\u00e4tigkeit zur H\u00e4ndigkeitsbestimmung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Aus einer beidh\u00e4ndigen, eher wenig \u00fcber die dominante Hand aussagenden T\u00e4tigkeit des Auff\u00e4delns von Perlen auf einen Faden, kann man aber eine weit eindeutigere T\u00e4tigkeit machen: Auf den in einem Holzpl\u00e4ttchen fixierten, senkrechten Draht sollen Perlen verschiedenster Gr\u00f6\u00dfe aufgesteckt werden. Der Draht wird mittig vor dem Kind aufgestellt und davor ein Glas mit Perlen. Schon das Heraussuchen der Perlen sagt viel \u00fcber die dominante Hand aus. Das Aufstecken der Perle ist dann eine feine T\u00e4tigkeit, die die meisten Kinder ohne Schwierigkeiten mit einer Hand bewerkstelligen k\u00f6nnen. Es ist auch wichtig, dass das Kind bei den Perlen im Glas die Auswahl zwischen kleineren und gr\u00f6\u00dferen hat, um auch j\u00fcngeren Kindern oder solchen mit feinmotorischen Schwierigkeiten die M\u00f6glichkeit zu geben, f\u00fcr sie gut greifbare Perlen zu finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Im folgenden werden T\u00e4tigkeiten aus dem von der Autorin zusammengestellten &#8222;Fragebogen zur Bestimmung der H\u00e4ndigkeit&#8220; aufgef\u00fchrt<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 12pt\">3.1.1 Items<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: arial, helvetica\">aus dem &#8222;Fragebogen zur Bestimmung der H\u00e4ndigkeit&#8220; (2) einschlie\u00dflich der Befragung nach dem Auftreten der<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">H\u00e4ndigkeit in der Familie<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">A) H\u00e4ndigkeit in der Familie<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">B) Bei welcher der folgenden T\u00e4tigkeiten bzw. Ger\u00e4ten wird\/werden die linke, rechte oder beide H\u00e4nde bevorzugt?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">1.1. Sehr spontane, von der Erziehung und der Umwelt nicht gepr\u00e4gte T\u00e4tigkeiten, die mit einer Hand vollzogen werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">1.2. Sehr spontane, von der Erziehung und der Umwelt nicht gepr\u00e4gte T\u00e4tigkeiten, die mit zwei H\u00e4nden vollzogen werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">2. Durch Erziehung und Nachahmung gepr\u00e4gte und beeinflu\u00dfte T\u00e4tigkeiten<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">3. Durch technische Vorrichtungen gepr\u00e4gte T\u00e4tigkeiten und fehlende linksh\u00e4ndige Produkte<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">C) Zur H\u00e4ndigkeitsentwicklung im Kindesalter<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 12pt\">3.1.2. Zur H\u00e4ndigkeit in der Familie<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: arial, helvetica\">Auch die H\u00e4ndigkeit in der Familie sollte unbedingt erfragt werden. Immer wieder \u00e4u\u00dfern Eltern, dass es in ihrer Familie bisher keine Linksh\u00e4nder gegeben habe und dass das Kind der erste Linksh\u00e4nder \u00fcberhaupt sei und daher vielleicht sogar kein echter Linksh\u00e4nder.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Wenn man aber genauer nachfragt, stellt sich oft heraus, dass zum Beispiel \u00fcber die H\u00e4ndigkeit der Gro\u00dfeltern nur sehr wenig bekannt ist, diese vielleicht schon verstorben sind oder ein Angeh\u00f6riger viel beidh\u00e4ndig mache, aber an eine Umschulung der H\u00e4ndigkeit keine Erinnerung besteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich aber hier um einen Linksh\u00e4nder handelt, ist sehr gro\u00df, denn fr\u00fcher wurde oft sehr konsequent umgeschult und diese Erlebnisse werden als besch\u00e4mend oder mit Tabus behaftet verdr\u00e4ngt und vergessen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Auch wenn beide Elternteile Einzelkinder sind und sowohl auf der Ebene der Tanten und Onkel als auch der Cousinen und Cousins das Kind keine direkte Verwandtschaft hat, ist die Feststellung, dass es in der Familie keinen anderen Linksh\u00e4nder g\u00e4be, nicht sehr aussagekr\u00e4ftig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong>3.1.3. Besprechung ausgew\u00e4hlter T\u00e4tigkeiten und Bewertung der Ergebnisse<br \/>\n<\/strong>Es w\u00e4re sinnvoll, \u00fcber jede T\u00e4tigkeit einzeln nachzudenken, \u00fcber ihre Relevanz und Gewichtung f\u00fcr eine H\u00e4ndigkeitsbestimmung. Das w\u00fcrde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Daher wird eine Auswahl an besonders interessanten Items aus den jeweiligen Punkten herausgenommen und besprochen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Eine beidh\u00e4ndige T\u00e4tigkeit, bei der jedoch eine F\u00fchrungshand oft gut deutlich wird, ist das B\u00fcrsten der Fingern\u00e4gel mit einer Nagelb\u00fcrste. Meist bewegt sich sowohl beim B\u00fcrsten als auch beim Geb\u00fcrstet werden einzig oder vornehmlich die dominante Hand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr von Gegenst\u00e4nden gepr\u00e4gte T\u00e4tigkeiten, verbunden mit Erziehung ist der Gebrauch der Schere ein sehr typisches Beispiel. Viele eindeutig linksh\u00e4ndige Kinder schneiden mit der rechten Hand, weil sie es so gezeigt bekommen haben oder weil sie feststellten, dass die einfachen, f\u00fcr rechtshandgerechten Gebrauch ausgelegten Kinderscheren in der linken Hand nicht richtig funktionieren, dass das Papier durchrutscht und dass man \u00fcberhaupt nicht richtig sehen kann, wo man schneidet (3).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">So orientieren sich solche Kinder h\u00e4ufig an anderen Kindern, schneiden rechts und automatisieren den Handlungsablauf. Wenn dann irgendwann den Eltern die Linksh\u00e4ndigkeit ihres Kindes richtig bewusst wird und sie endlich eine Linksh\u00e4nderschere kaufen, wundern sie sich oft, dass das Kind diese ablehnt oder mit ihr in der rechten Hand schneidet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Malen, Schreiben und der Gebrauch von L\u00f6ffel, Gabel und Messer sind auf der einen Seite f\u00fcr die H\u00e4ndigkeitsbestimmung sehr aussagekr\u00e4ftige T\u00e4tigkeiten, auf der anderen Seite unterliegen sie aber besonders der erzieherischen Aufsicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bewusst und unbewusst wird hier oft auf die rechte Hand umgeschult. Der Tisch wird meist f\u00fcr Rechtsh\u00e4nder gedeckt und L\u00f6ffel und Gabel &#8222;nimmt man in die richtige&#8220; Hand, gemeint ist die rechte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Eine allgemeine Definition der H\u00e4ndigkeit k\u00f6nnte folgende sein: \u00dcberlegenheit der rechten oder linken Hand, gr\u00f6\u00dfere Geschicklichkeit, mehr Kraft, l\u00e4ngere Ausdauer, pr\u00e4ferierter Handgebrauch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Allerdings wird diese Definition sofort wieder in Frage gestellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">a) Umschulungsversuche, die manche Erziehungsbeauftragte auch noch heute bei linksh\u00e4ndigen Kindern, zwar vorsichtig, aber trotz allem durchf\u00fchren,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica\">b) Modell- und Nachahmungsverhalten des Kindes selbst, die durch bestimmte Pers\u00f6nlichkeitsz\u00fcge des Kindes, wie zum Beispiel Angepa\u00dftheit und genaue Beobachtung der Umwelt zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt werden k\u00f6nnen;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">c) feinmotorische F\u00e4higkeiten, beziehungsweise St\u00f6rungen des Kindes und die schon oben beschriebene Tatsache, dass der Handgebrauch bei ergotherapeutisch, heilp\u00e4dagogisch und neurop\u00e4diatrisch betreuten Kindern durch zerebrale St\u00f6rungen oft durcheinander gekommen ist und wichtige T\u00e4tigkeiten im Entwicklungsverlauf sich auf der nicht dominanten Hand automatisieren k\u00f6nnen;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">d) Alter des Kindes<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">e) sozio-kulturelle Einfl\u00fcsse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Aus diesen \u00dcberlegungen ergibt sich, dass eine normierte Auswertung der beobachteten T\u00e4tigkeitsitems nicht durchf\u00fchrbar ist und es wohl auch in Zukunft nicht werden wird. Denn es m\u00fc\u00dften so viele verschiedene \u00dcberlegungen in die Bewertung des einzelnen Items einflie\u00dfen \u00fcber Erziehung, Entwicklungsstand des Kindes und Beurteilung des Items in seiner Relevanz bez\u00fcglich der Bestimmung einer dominanten Hand \u00fcberhaupt, dass eine Normierung, die Aussagekraft f\u00fcr eine gro\u00dfe Population h\u00e4tte und relativ unabh\u00e4ngig von soziokulturellen Beeinflussungen w\u00e4re, wohl weder sinnvoll sein kann, noch durchf\u00fchrbar ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Allerdings besch\u00e4ftigt sich die Wissenschaft seit geraumer Zeit mit der Bewertung von verschiedenen Items. So hielt zum Beispiel Oldfield (4) von zwanzig untersuchten T\u00e4tigkeiten zehn f\u00fcr geeignet zu einer H\u00e4ndigkeitsbewertung (Edinburgher H\u00e4ndigkeits-Inventar). Bei seinen Untersuchungen handelte es sich jedoch wieder nicht um direkte Beobachtung sondern um eine Selbstangabe des Probanden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Immer wieder wird auch der Harris-Test der Seitendominanz genannt (5). Das h\u00e4ngt sicher damit zusammen, dass in den 1990 herausgegebenen \u00fcberarbeiteten Materialien eines Fortbildungsseminars f\u00fcr Ergotherapeuten im Jahr 1977 der Harris-Test beschrieben wird. Allerdings fehlte der Autorin das vollst\u00e4ndige Testmaterial des 1947 und 1955 ver\u00f6ffentlichten Tests und sie macht auch keine weiteren Quellenangaben. Der Test ist eine Zusammenstellung aus Fragen zur Richtungssicherheit, zur bevorzugten Hand mit pantomimisch auszuf\u00fchrenden Aufgaben, Zeichnen, Schreiben, Augen- und Fu\u00dfdominanz. Schwachpunkte liegen in der undifferenzierten Behandlung von verschiedenen T\u00e4tigkeiten und der wissenschaftlichen Fragw\u00fcrdigkeit der Aufteilung in verschiedene Auspr\u00e4gungsgrade der H\u00e4ndigkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Auch von verschiedenen anderen Autoren (u.a. Naville und Liselotte Kramer) wurden Zusammenstellungen von T\u00e4tigkeitsitems gemacht. Wissenschaftlich wird auch \u00fcber die Signifikanz einzelner T\u00e4tigkeiten und ihrer Relevanz zur H\u00e4ndigkeitsmessung geforscht. Eine angemessene Beschreibung und Beurteilung dieser Arbeiten w\u00fcrde jedoch den Rahmen dieser Ver\u00f6ffentlichung sprengen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">3.2 H\u00e4ndigkeitstests<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica\"><strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">3.2.1 HDT &#8211; Hand-Dominanz-Test<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 12pt\">Es gibt relativ wenige normierte H\u00e4ndigkeitstests. An erster Stelle ist der HDT &#8211; Hand-Dominanz-Test von Steingr\u00fcber und Lienert zu nennen (6). Er besteht aus drei Untertesten: Spurennachzeichnen und Kreis- und Quadratepunktieren. Bei klarer H\u00e4ndigkeit funktioniert dieser Test sehr gut. Bei linksh\u00e4ndigen Kindern aber, die zum Malen und Schreiben auf den Gebrauch der rechten Hand umgeschulte wurden, sind die Ergebnisse oft nicht eindeutig. Denn der Test mi\u00dft gerade T\u00e4tigkeiten, die engstens mit dem Zeichnen und Schreiben verbunden sind und die durch die Umschulung der H\u00e4ndigkeit von au\u00dfen beeinflusst und irritiert wurden. Diese Resultate sind folglich dann oft auch nicht wirklich aussagekr\u00e4ftig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bei Kindern, die zum wechselnden Handgebrauch neigen, die oft wegen schneller Erm\u00fcdung den Stift von einer in die andere Hand tauschen oder die wegen Problemen beim \u00dcberkreuzen der Mittellinie sich einge\u00fcbt haben, auf der linken Blattseite mit der linken und auf der rechten mit der rechten Hand zu malen, sind die Ergebnisse entsprechend zus\u00e4tzlich verzerrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Trotz allem erm\u00f6glicht dieser Test aber doch die Beobachtung des Kindes, wie es mit Stiften umgeht, wie die Stifthaltung in der jeweiligen Hand ist, welche Hand besser nachspurt beziehungsweise punktiert und es erscheint sinnvoll, den Test regelm\u00e4\u00dfig durchzuf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Auch die Ergebnisse im Leistungs-Dominanz-Test (L-D-T) von Friedhelm Schilling werden sehr stark von einer Umschulung der H\u00e4ndigkeit oder feinmotorischen St\u00f6rungen des Kindes beeinflusst (7). Auch dieser Test, bei dem es um das Punktieren von Kreisen auf der Umri\u00dflinie eines Hampelmanns geht, wird von manchen Therapeuten gern durchgef\u00fchrt (leider ist der Test nicht offiziell normiert, sondern Teil des PTKs).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica\"><strong>3.3 Lateralit\u00e4tsmessungen: F\u00fc\u00dfigkeit, Ohrigkeit, \u00c4ugigkeit<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Sogenannte Lateralit\u00e4tsmessungen, also die \u00dcberpr\u00fcfung der Pr\u00e4ferenz von anderen paarig angelegten Organen des menschlichen K\u00f6rpers wie F\u00fc\u00dfigkeit, Ohrigkeit und \u00c4ugigkeit werden oft empfohlen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Jedoch stellt sich hier die Notwendigkeit, zun\u00e4chst St\u00f6rungen des jeweiligen Organs aus verschiedensten Richtungen auszuschlie\u00dfen. So muss in eine Beurteilung einer Testung der F\u00fc\u00dfigkeit auch die F\u00e4higkeit, das Gleichgewicht halten zu k\u00f6nnen, eingehen oder m\u00f6gliche Koordinationsst\u00f6rungen, die den pr\u00e4ferierten Fu\u00dfgebrauch stark beeinflussen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr die Beurteilung einer Ohr- oder Augenpr\u00e4ferenz m\u00fcssen zun\u00e4chst organische St\u00f6rungen ausgeschlossen werden, wie eine Mittelohrentz\u00fcndung auf einem Ohr mit bleibendem Schaden oder Funktionsst\u00f6rungen in einem der Augen oder in der visuellen Verarbeitung im Gehirn.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Springer und Deutsch sehen wenig Zusammenhang zwischen den Bevorzugungen von Auge, Ohr, Fu\u00df und Hand. &#8222;Die h\u00f6chste der &#8211; allerdings insgesamt nicht sonderlich hohen &#8211; Korrelationen wurde zwischen Hand- und Fu\u00dfpr\u00e4ferenz festgestellt&#8220; (8).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 12pt\">3.4 Fazit<\/span><br \/>\n<\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Eine H\u00e4ndigkeitstestung muss immer verschiedenste T\u00e4tigkeiten beobachten und H\u00e4ndigkeitstests ber\u00fccksichtigen und die Ergebnisse in Bezug setzen mit<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">dem Entwicklungsstand des Kindes,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">m\u00f6glichen Krankheiten und St\u00f6rungen des Kindes,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">m\u00f6glichen Irritationen der H\u00e4ndigkeitsentwicklung durch die Umwelt (Familie, Bekannte, Kindergarten, Spielkameraden),<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Einfluss von Modell- und Nachmungsverhalten und<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">H\u00e4ndigkeit in der Familie.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Im Schulalter kommen noch spezifische Schulprobleme aus dem Bereich der prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Umschulungsfolgen hinzu. Diese d\u00fcrfen aber nicht ausreichend erkl\u00e4rbar sein zum Beispiel durch einen unzureichenden IQ, eine Lese-Recht-schreibschw\u00e4che oder andere Teilleistungsst\u00f6rungen, die schon zuvor in der Entwicklung des Kindes auff\u00e4llig waren. H\u00e4ufig und ungew\u00f6hnlich schwankt oft auch das Leistungsprofil in Intelligenztesten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">4. Wichtige Gebrauchsgegenst\u00e4nde f\u00fcr linksh\u00e4ndige Kinder<\/span><br \/>\n<\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Einem linksh\u00e4ndigen Kind sollte man, von Beginn des Schneidens an, eine Linksh\u00e4nderschere zur Verf\u00fcgung stellen, damit das Kind den richtigen Gebrauch der Schere lernt und sich nicht eine falsche Handhaltung und falsche Augen-Hand-Koordination ein\u00fcbt (3).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Ansonsten kann das Schneiden schon zu Beginn der Schule so automatisiert sein, dass das Kind den Gebrauch der Linksh\u00e4nderschere nicht mehr richtig erlernt und diese dann ablehnt, obgleich es eigentlich pr\u00e4ziser und einfacher mit ihr schneiden k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Das oft geh\u00f6rte Argument, dass nicht \u00fcberall eine Linksh\u00e4ndschere zur Verf\u00fcgung steht, ist abzulehnen, da eine Schere vom Gewicht her nicht schwer ist und man seine eigene zu entsprechenden T\u00e4tigkeiten mitnehmen und auch am eigenen Arbeitsplatz zur Verf\u00fcgung haben kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Spitzer f\u00fcr Linksh\u00e4nder sind insofern interessant, als das dem Kind erm\u00f6glichen, die linke Hand beim Spitzen nach au\u00dfen, vom K\u00f6rper weg, zu drehen, ein Bewegungsablauf, der motorisch leichter ist als das Drehen nach innen, zum K\u00f6rper hin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">F\u00fcr \u00e4ltere Kinder sind Haushaltsgegenst\u00e4nde wie Kartoffelsch\u00e4ler und Dosen\u00f6ffner interessant.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Erwachsene haben sich meist schon so sehr an den spezifischen Gebrauch eines bestimmten Gegenstandes gew\u00f6hnt, mit dem sie recht und schlecht auskommen, dass sie oft die ergonomisch g\u00fcnstigeren Linkshandgebrauchsgegenst\u00e4nde ablehnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Allerdings bei f\u00fcr sie neuen Gebrauchsgegenst\u00e4nden sch\u00e4tzen sie meist linkshandgerechte Ausf\u00fchrungen und Anordnungen (9).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>5. Unverkrampfte Schreibhaltung des Linksh\u00e4nders<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Sehr wichtig ist, dass zum Erlernen einer lockeren, unverkrampften Schreibhaltung rechtzeitig Hilfestellungen eingeleitet werden. Als Vorbereitung darauf k\u00f6nnten Nachspur\u00fcbungen durchgef\u00fchrt werden, bei denen das Kind spielerisch lernt, das Blatt leicht nach rechts zu neigen und mit der Hand unter der Linie, auf der es gerade nachspurt, nachzurutschen, damit es sp\u00e4ter beim Schreiben mit dem F\u00fcller die Tinte nicht verwischt (10).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Mit diesen \u00dcbungen sollte im Normalfall schon vor Schulbeginn begonnen werden. Viele Kinder haben bereits etwa ein Jahr, bevor sie in die Schule kommen, ausreichende feinmotorische Fertigkeiten, um das zu schaffen. Auch im Rahmen von Vorschulunterricht k\u00f6nnen \u00dcbungen zur Vorbereitung einer lockeren Schreibhaltung durchgef\u00fchrt werden. Es sollte aber immer freiwillig geschehen und unter der liebevollen Aufsicht eines Erwachsenen, damit wirklich die richtige Haltung einge\u00fcbt wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die Schreibhaltung ist bei vielen Kindern schon sehr bald festgelegt (1. Klasse), so dass sp\u00e4ter kaum noch eine \u00c4nderung m\u00f6glich ist und die Kinder dann beim Schreiben mit dem F\u00fcller in die so genannte Hakenhaltung &#8222;von oben&#8220; ausweichen, eben, um die Tinte nicht zu verwischen. Es kommt hier schnell zu einer Automatisierung der Hand-Augen-Koordination. Auf zu sp\u00e4te Versuche einer regulierenden \u00c4nderung der Schreibhaltung reagieren viele Kinder nicht nur mit Ablehnung und Trotz, sondern manchmal auch physiologisch, z.B. mit Schwindelgef\u00fchlen; in seltenen F\u00e4llen auch mit \u00dcbelkeit und Erbrechen ohne neurophysiologischen Befund.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">6. Umgeschulte Linksh\u00e4nder<br \/>\n<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Durch die Umschulung der H\u00e4ndigkeit, insbesondere zum Schreiben mit der nicht dominanten Hand, kann es zu folgenden Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rfolgen kommen. Prim\u00e4rfolgen k\u00f6nnen sein:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen (besonders beim Abrufen von Lerninhalten)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Konzentrationsst\u00f6rungen (schnelle Erm\u00fcdbarkeit)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">legasthenische Probleme (Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Raum-Lage-Labilit\u00e4t (Links-Rechts-Unsicherheit)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">feinmotorische St\u00f6rungen (die sich z.B. im Schriftbild \u00e4u\u00dfern)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Sprachst\u00f6rungen (Stammeln bis zum Stottern).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Diese Prim\u00e4rfolgen k\u00f6nnen sich dann in unterschiedliche Sekund\u00e4rfolgen umsetzen:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Minderwertigkeitskomplexe<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Unsicherheit<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Zur\u00fcckgezogenheit<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">\u00dcberkompensation durch erh\u00f6hten Leistungseinsatz<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Trotzhaltung, Widerspruchsgeist, Imponier- und Provokationsgehabe (z.B. &#8222;Klassenkasperle spielen&#8220; im Unterricht, und im Erwachsenenalter die Rolle des Clowns und des andauernden, oft krampfhaften Witzemachers)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">unterschiedlich ausgepr\u00e4gte Verhaltensst\u00f6rungen<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Bettn\u00e4ssen und N\u00e4gelkauen<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">emotionale Probleme bis ins Erwachsenenalter mit neurotischen und\/oder psychosomatischen Symptomen<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">St\u00f6rungen im Pers\u00f6nlichkeitsbild.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Alle unter Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rfolgen aufgef\u00fchrten Schwierigkeiten k\u00f6nnen selbstverst\u00e4ndlich auch ohne eine Umschulung der H\u00e4ndigkeit auftreten und zwar genauso bei Links- wie bei Rechtsh\u00e4ndern. Durch eine zus\u00e4tzliche Umschulung der H\u00e4ndigkeit werden aber diese Schwierigkeiten, wie die Praxis zeigt, noch unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig verst\u00e4rkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die Umschulung der H\u00e4ndigkeit greift also in Gehirnablaufsprozesse st\u00f6rend und behindernd ein und zwingt den Menschen, andauernd weit mehr Kr\u00e4fte einzusetzen, um seine Intelligenz zu mobilisieren, als ein unbehinderter, von den Folgen der Umschulung der H\u00e4ndigkeit nicht betroffener Links- oder Rechtsh\u00e4nder ben\u00f6tigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die Intelligenz selbst wird nicht vermindert, jedoch ihre Manifestation gest\u00f6rt, z.B. beim Formulieren und Ausdr\u00fccken der Gedanken, beim Abrufen von Lerninhalten in Schrift und Sprache, und so kommt es andauernd zu einem erh\u00f6hten Kr\u00e4fteeinsatz (11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>7. Chancen und Gefahren einer R\u00fcckschlungen der H\u00e4ndigkeit<br \/>\n<\/strong><\/span><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Mit Fragen \u00fcber eine R\u00fcckschulung auf die dominante Hand wenden sich heute Betroffene an \u00c4rzte, Ergotherapeuten, Heil- und Motop\u00e4dagogen, Psychologen und Soziologen. Hierbei ist es sehr vorsichtig vorzugehen und folgende Punkte zu beachten:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">1. Durch eine R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit reduzieren sich am ehesten manche der Prim\u00e4rfolgen, aber sie ist kein Wundermittel und nach den heutigen Erkenntnissen sind die Umschulungsfolgen nicht v\u00f6llig reversibel. Allerdings erh\u00f6ht sich bei vielen Menschen das allgemeine Wohlbefinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">2. Sekund\u00e4rfolgen aus dem neurotischen Bereich bed\u00fcrfen einer eigenen psychotherapeutischen Behandlung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">3. Psychosomatische Krankheiten und Beschwerden k\u00f6nnen evtl. zur\u00fcckgehen, trotzdem bleibt die Disposition erhalten und so wird hier manchmal durch einen anderen, angemesseneren Lebensrhythmus und eine andere Aufteilung der Stre\u00dfbelastungen geholfen, als durch eine R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit, die im Gegenteil anfangs sogar eine erneute Belastung bedeuten kann und die die Krankheit dann m\u00f6glicherweise eher vertieft als behebt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">4. Besonders ist von \u00e4rztlicher Seite auf das Vorkommen von physiologischen und neurologischen St\u00f6rungen bei dem betreffenden Patienten zu achten, die durch eine R\u00fcckschulung auch einen sehr negativen Verlauf annehmen k\u00f6nnen. Es kann sogar geschehen, dass bei einer entsprechenden Disposition des Patienten, durch zus\u00e4tzliche Belastungen bei der R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit, Krankheiten erst ausbrechen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Es gibt verschiedene Fallberichte, wonach abgeklungene Epilepsieanf\u00e4lle wieder aufgetreten sind, als der Patient sich auf seine dominante linke Hand zur\u00fcckschulte. Auch Borderline-Patienten sollten sich lieber keiner R\u00fcckschulung unterziehen, um nicht negativere Reaktionen des K\u00f6rpers und der Psyche zu provozieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">5. Menschen, die viel unter Stress handschriftlich schreiben m\u00fcssen oder die in Ausbildung und Studium sind, sollten sehr vorsichtig mit einer R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit umgehen und lieber in einer weniger belasteten Lebensphase diese versuchen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Trotz allem berichten viele Menschen von positiven Wirkungen auf ihr Leben und einem gr\u00f6\u00dferen Wohlbefinden im zeitlichen Zusammenhang mit einer R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit (13).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Zumindest ist es wichtig, dass der umgeschulte Linksh\u00e4nder seine Probleme, die mit einer umgeschulten H\u00e4ndigkeit zu tun haben k\u00f6nnen, in einer anderen Kausalit\u00e4t sieht und sich nicht als &#8222;nicht so intelligent&#8220; interpretiert, sondern lernt, anders mit ihnen und sich selbst umzugehen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Resumee:\u00a0Am besten w\u00e4re es aber, wenn durch pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen und Aufkl\u00e4rung es gar nicht zu der Umschulung der H\u00e4ndigkeit k\u00e4me und somit einem gro\u00dfen Anteil der Menschen diese unn\u00f6tigen Belastungen und Beeintr\u00e4chtigungen in ihrem Leben erspart blieben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong><span style=\"font-size: 14pt\">Literatur:<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">1) Sattler, Johanna Barbara: <a href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/die-psyche-des-linkshaendigen-kindes\/\">Die Psyche des linksh\u00e4ndigen Kindes. Von der Seele, die mit Tieren spricht<\/a>. Auer Verlag, Donauw\u00f6rth 1998, 2002 (4).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">2) Siehe dazu Artikel der Autorin: &#8222;&#8220;Beidh\u00e4nder&#8220;sind hirngesch\u00e4digt&#8220;. In: M\u00fcnchener medizinische Wochenschrift, 135 (1993) Nr. 21, S. 291\/35-294\/40. Wiederabgedruckt in Sattler, Johanna Barbara: Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder Der Knoten im Gehirn. Auer Verlag, Donauw\u00f6rth 1995, 2004 (8), S. 350-356.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">3) Es handelt sich hier um den schon in dem Buch &#8222;Das linksh\u00e4ndige Kind in der Grundschule&#8220; von der Autorin vorgestellten Fragebogen, der inzwischen differenziert und erweitert wurde. (Das Buch wurde im Auftrag des Bayer. Kultusministeriums erarbeitet und vom Staatsinstitut f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik und Bildungsforschung, M\u00fcnchen, 1993 herausgegeben. Vertrieb: Auer Verlag, Donauw\u00f6rth, 2003 (11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">4) Sattler, Johanna Barbara: <a href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/uebungen-fuer-linkshaender\/\">\u00dcbungen f\u00fcr Linksh\u00e4nder. Schreiben und Hantieren mit links<\/a>. Auer Verlag, Donauw\u00f6rth, 1996, 2005 (8), S. 65 ff. und S. 70 ff.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">5) Oldfield, R.C.: &#8222;The Assessment and Analysis of Handedness: The Edinburgh Inventory&#8220;. In: Neuropsychologia, 1971, Vol. 9, pp. 97-113.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">6) &#8222;Der Harris Test der Seitendominanz&#8220;. In: Miske-Flemming, Dorothee: Theorie und Methode der Behandlung von perzeptionsgest\u00f6rten Kindern. (Neue Reihe Ergotherapie: Reihe 2, Fachbereich P\u00e4diatrie; Bd. 4). Schulz-Kirchner Verlag, Idstein, 1990, 1996 (8), S. 63-70.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">7) Steingr\u00fcber, Hans-Joachim, Lienert,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Gustav A.: Hand-Dominanz-Test. H-D-T. Verlag f\u00fcr Psychologie, Dr. C.J. Hogrefe, G\u00f6ttingen, 1976 (2).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">8) Beschreibung des Leistungs-Dominanz-Tests (L-D-T): Schilling, Friedhelm: &#8222;Bestimmung der H\u00e4ndigkeit&#8220;. In: Motorik, 1979, Heft 2, S. 48 f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">9) Springer, Sally P., Deutsch, Georg: Linkes rechtes Gehirn. Dt. \u00dcbersetzung herausgegeben von Bruno Preilowski. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, Oxford, 1987, 1995 (3), S. 142\/3.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">10) Eine Laden- und Versandliste, wo Linksh\u00e4nderprodukte zu erwerben sind, findet man z.B. in &#8222;\u00dcbungen f\u00fcr Linksh\u00e4nder&#8220; (siehe Fu\u00dfnote 3), S. 139. Die Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle f\u00fcr Linksh\u00e4nder und umgeschulte Linksh\u00e4nder, Sendlinger Str. 17, 80331 M\u00fcnchen, versendet gegen Zusendung eines frankierten R\u00fcckumschlags eine Laden- und Versandliste f\u00fcr linkshandgerechte Gebrauchsgegenst\u00e4nde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">11) Genaue Hinweise findet man in &#8222;\u00dcbungen f\u00fcr Linksh\u00e4nder&#8220;, Kapitel 1 und 4.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">12) Sattler, Johanna Barbara: <a href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/information\/literatur\/der-umgeschulte-linkshaender-oder-der-knoten-im-gehirn\/\">Der umgeschulte Linksh\u00e4nder oder Der Knoten im Gehirn<\/a>, Auer Verlag, Donauw\u00f6rth 1995, 2004 (8), S. 49 f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">13) Zur R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit siehe auch: Sattler: Der umgeschulte Linksh\u00e4nder, Kapitel 7: &#8222;M\u00f6glichkeiten und Gefahren einer R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit&#8220;, S. 143 ff.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Dies. &#8222;Chancen und Gefahren einer R\u00fcckschulung der H\u00e4ndigkeit bei Erwachsenen (Teil 1)&#8220;. In: Left Hand Corner. Herausgegeben von Norbert Martin, Wuppertal, Nr. 6 1\/1999, S. 10-20.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\"><strong>In: Praxis Ergotherapie, Jg. 12 (2), April 1999, S. 98-110 Grundlagen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">_____________________________<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Anschrift der Verfasserin:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Dr. Johanna Barbara Sattler<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Leiterin der Ersten deutschen Beratungs-<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">und Informationsstelle f\u00fcr Linksh\u00e4nder und umgeschulte Linksh\u00e4nder<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Sendlinger Str. 17<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">80331 M\u00fcnchen<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Tel. 089 \/ 26 86 14.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,Helvetica\">Die Autorin h\u00e4lt auch Seminare zu der Thematik.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johanna Barbara Sattler 1. Einf\u00fchrung Immer h\u00e4ufiger werde Fachleute wie Ergotherapeuten, Heilp\u00e4dagogen, Motop\u00e4dagogen, aber auch Kinder- und Haus\u00e4rzte von Eltern linksh\u00e4ndiger Kinder und von umgeschulten Linksh\u00e4ndern jeden Alters um Rat und Hilfe bei Fragen der H\u00e4ndigkeit angegangen. Dabei lassen sich verschiedene Fragenkomplexe klar unterscheiden: H\u00e4ndigkeit bei Kindern: Art und Alter der Manifestation des bevorzugten Handgebrauchs, Entwicklung der H\u00e4ndigkeit und geeignete bzw. wichtige Gebrauchgegenst\u00e4nde f\u00fcr Linksh\u00e4nder, Frage nach der zu f\u00f6rdernden Hand bei Kindern mit Hemiparesen und Hemiplegien, sowie bei Kindern, die bisher keinen eindeutigen bevorzugten Handgebrauch aufweisen, Probleme umgeschulter Linksh\u00e4nder, also Linksh\u00e4nder, die zum Schreiben &#8211; und in unterschiedlichem Ausma\u00df auch f\u00fcr andere T\u00e4tigkeiten &#8211; auf den bevorzugten Gebrauch der rechten (in ihrem Fall also ihrer nicht dominanten) Hand umgeschult wurden. Es tauchen bisweilen auch Fragen aus der Arbeitsmedizin \u00fcber die geeignete Berufswahl auf, zum Beispiel Probleme mit Anordnungen bei bestimmten Arbeitsabl\u00e4ufen. Wichtig sind m\u00f6gliche Folgeerscheinungen durch eine Umstellung der bevorzugten Hand nach einem &#8230; <a title=\"Linksh\u00e4nder und umgeschulte Linksh\u00e4nder in der Ergotherapie\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/beratung\/testung\/praxisergo-artikel\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Linksh\u00e4nder und umgeschulte Linksh\u00e4nder in der Ergotherapie\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":49,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_cbd_carousel_blocks":"[]","footnotes":""},"class_list":["post-2173","page","type-page","status-publish"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2173"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2173\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8279,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2173\/revisions\/8279"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lefthander-consulting.org\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}