Münchener Medizinische Wochenschrift, 128 (1986) Nr. 8





Aktuelle Medizin MMW

Kongressbericht

Umgeschulte Linkshänder

Der Knacks im Gedächtnis

Nach einer statistischen Erhebung der Organisation für neutrale Wissenschaften in München stellen in früher Kindheit umgeschulte Linkshänder (Pseudorechtshänder) ca. 60% aller psychotherapeutischen Fälle. Erklärt wird diese Tatsache durch genuine, unterschiedliche Funktionsweisen der Gehirnhemisphären von Links- und Rechtshändern, die durch Umerziehungsprozesse gestört werden können.

Das rechtshemisphärische Denken der Linkshänder. Statistische Angaben zum Anteil der Linkshänder in unserer Bevölkerung liegen bei ca. 10%. Wissenschaftler dagegen gehen von einer genotypischen Verteilung der Linkshändigkeit von bis zu 50% aus. Methodische Schwierigkeiten, Ausprägungsunterschiede und die hohe Dunkelziffer von Pseudorechtshändern führen zu dieser Diskrepanz.

Die genuine Händigkeit eines Menschen wird bestimmt durch die über Kreuz mit der Handlungshand verbundene dominante Gehirnhälfte, bei Linkshändern also die rechte Hemisphäre. Die Überlegenheit einer Gehirnhemisphäre bezieht sich aber nicht nur auf motorische Funktionen, sondern ist auch Grundlage besonderer Begabungen und des Bewusstseinsmodus eines Menschen (vergleiche Tabelle).

Das behinderte Denken des Pseudorechtshänders. Auch nach der Umschulung eines Linkshänders zu einem Pseudorechtshänder bleibt seine rechte Gehirnhälfte dominant. Sie ist nun jedoch gehemmt, während die linke Hemisphäre überlastet wird. Die Folgen sind Störungen der Übermittlungsprozesse im Corpus callosum, die eine Behinderung von Gedächtnisleistungen hervorrufen können. Die Funktionen der Aufnahme von Informationen (Lernen) und vor allem ihrer Reproduktion (Erinnern) sind beeinträchtigt. Häufig kommt es dann zu Situationen, in denen der Betroffene zwar weiß, dass er etwas weiß, es aber nicht mitteilen kann. Je höher seine Intelligenz, desto stärker leidet er unter diesen Gedächtnis-Pannen, fühlt sich "dumm" und verunsichert. Schließlich kann er Minderwertigkeitskomplexe, Ängste und Vermeidungsverhalten, soziale Rückzugstendenzen und Depressionen entwickeln. Auch Sprachstörungen wie Stottern und Stammeln sowie legasthenische Erscheinungen lassen sich pathogenetisch so erklären. Psychotherapeutisch sind diese "Fälle" schwer beeinflussbar, da weder dem Patienten noch dem Therapeuten der Zusammenhang der Symptome mit einem Jahre zurückliegenden Umerziehungsprozess bekannt oder bewusst ist.

Das diskriminierende Denken der Rechtshänder. Obwohl die Händigkeit des Menschen seit Jahrzehnten Gegenstand reger Forschungstätigkeit ist, bleiben wissenschaftliche Erkenntnisse auch heute in weiten Gesellschafts- und Lebensbereichen ohne praktische Relevanz. Besonders in der Schul- und Arbeitswelt sind Linkshänder nach wie vor eine Randgruppe, die sich den "rechtsfreundlichen" Bedingungen anzupassen hat und für die Chancengleichheit damit nicht gewährleistet ist.

Verantwortlich scheinen gewisse Fehleinstellungen zu sein, in denen Händigkeit mit Geschicklichkeit gleichgesetzt, als flexible Eigenschaft oder von einer Beidhändigkeit des Menschen (echte Beidhänder sind nur 1% der Bevölkerung
[Anmerkung: Inzwischen wird auch diese Zahl in Frage gestellt, nämlich ob es sich bei solchen Menschen nicht doch um umgeschulte Linkshänder oder zerebral irritierte Menschen handelt. Siehe Artikel: "‘Beidhänder’ sind hirngeschädigt". In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Wiederabgedruckt in: Sattler, Der umgeschule Linkshänder, S. 350-355.] ) ausgegangen wird. Wirtschaftliche Aspekte dürfen zudem eine nicht unerhebliche Rolle spielen, wenn beispielsweise der Produktionsanteil von Materialien für Linkshänder bisher noch unter 10% liegt und sich hauptsächlich auf Haushaltsartikel beschränkt. Interessant wäre jedoch, die "ersparten" Produktionskosten dem finanziellen Aufwand für therapeutische Bemühungen gegenüberzustellen. (B. Fischl)
 
 

Seminar "Händigkeit: Rechts- und Linkshänder"; München, 11.-12.1.1986; Veranstalter: Organisation für neutrale Wissenschaften (ONRS), München.
 
 
 
Linke Hemisphäre

(rechte Körperseite) 

Rechte Hemisphäre

(linke Körperseite)

analytisches, logisches Denken;

linear, d.h. aufeinander folgend

Brocca-Sprachzentrum

Zeiterleben
 
 
 
 

Intellekt

Optimismus

synthetisches, ganzheitliches Denken;

beziehungsreich und gleichzeitig

räumliches und perspektivisches

Vorstellungsvermögen

bildhafte Vorstellung

Melodiegedächtnis

sprachfreies Ausdrucksverständnis

Intuition

Pessimismus

Vorwiegende Funktionsverteilung in den Gehirnhemisphären; individuelle Variationen sind möglich (nach B. Sattler, München).
 
 

© Copyright: B. Fischl
Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder, Sendlinger Str. 17, 80331 München, Tel. / Fax: +49 / 89 / 26 86 14, http://www.lefthander-consulting.org,  e-mail: info@lefthander-consulting.org